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Nach dem legendären „Spiel vom Wiesejaggl“ (1992/2002) und dem Freilichtspiel „xxxalpin - der Berg ruft“ (2004) haben die Schauspiele Kauns  wieder Kräfte für ein neues Projekt gesammelt. Die Schauspiele Kauns haben es sich zur Aufgabe gemacht,  den Mythen und Leitbildern der Region im Theater Leben einzuhauchen und aktuelle Bedeutung zu geben.

Der jüngste Erfolg der Bühne mit einem frechen Lustspiel im Winter 2008/9 animierte Josef Falkeis zusätzlich, einen lange schon gehegten Wunsch in Erfüllung gehen zu lassen. Er betrifft die Gestalt des alten Fließer Pfarrers Alois Simon Maaß aus Fließ (1758-1846), von dem bis heute viele Geschichten erzählt  werden und der als charismatische  Persönlichkeit  der Region bis heute durch Erzählungen im Gedächtnis geblieben ist.

Er lebte in einer Zeit des Umbruches, wurde erzogen, als Ideen der Aufklärung eine Zeit der Verweltlichung ankündigten, in der die Religion keine staatstragende Macht mehr haben sollte. Pfarrer Maaß predigte von der Endzeit, sah das Ende vor sich, aber nicht im Sinne von Fortschritts- und Aufklärungskritik, sondern viel elementarer. Er mahnte ein Bewusstsein des Endes ein, eines Endes, von dem jeder jeden Augenblick steht. Er wetterte gegen den Hochmut von Erneuerern, die die Welt neu erfinden wollen und meinen, den Gesetzen des Lebens trotzen zu können. Er war ein Seelsorger, der den Menschen nahe war, der ihre Sorgen kannte, aber auch ihre Schwächen, einer, der mit ihnen litt und der die Fähigkeit zum Ausgleich gehabt haben musste.

Im Spiel vom Pfarrer Maas wird keine „große Geschichte“ erzählt, es geht in ihm nicht um den Kampf um die Pontlatzer Brücke, nicht um Heldentum, nicht um Verräter. Wir erleben den Pfarrer im Jahre 1813, als der bayerischer Landrichter Staffler voller idealistischem Reformeifer um Anerkennung bei der Bevölkerung ringt.  Er will durchaus sinnvolle Erneuerung durchsetzen, stößt aber auf  Menschen, die in den Jahren des Krieges  missmutig und skeptisch geworden sind. Sie wollen sich nichts vorschreiben lassen, fühlen sich herausgerissen aus der Geborgenheit einer guten alten Zeit, wollen nicht einsehen, dass es diese „gute alte Zeit“ ja nie gegeben hat. Sie war immer ein Traum zurück in den Schoß der Kindheit, zurück in den Schoß der einen Kirche, zurück in die Zeit  in der es noch keine Untertanen gab und keine Fürsten, in der sich Landesherrn als Väter und Untertanen als ihre Kinder verstanden.  Dem Traum aber steht die Realität gegenüber. Kinder erwachen zur Mündigkeit und Väter müssen lernen, dass es nicht ausreicht, alles für die Kinder zu tun, denn die wollen selbst Anteil haben an der Macht, Gemeinschaftsleben zu gestalten.

Mit dem weltlichen Landrichter auf der einen Seite und dem Geistlichen auf der anderen Seite erleben wir im Gegenspieler so wie Don Camillo und Peppone, die zwar miteinander streiten, sich aber im Grunde ihrer Seelen näher stehen, als sie es sich selber zugestehen.